Selbstverteidigung ist mehr als das erlernen von Techniken für die Selbstverteidigung.

Selbstverteidigung ist mehr

Selbstverteidigung ist mehr als das reine erlernen von Techniken, um sich zu verteidigen. Denn es genügt nicht, einfach einen Kampfsport oder eine Kampfkunst zu erlernen. Boxen, WingTsun, Kung-Fu oder Krav Maga vermitteln effektive Abläufe für die Selbstverteidigung. Aber ist es ausreichend das Training nur auf körperliche Fähigkeiten zu reduzieren und sich darauf zu fokussieren? Oder ist Selbstverteidigung mehr? 

Welche Bestandteile machen ein System zur Selbstverteidigung

Natürlich ist es wichtig in einer Selbstverteidigung zu lernen wie man sich aus einem Schwitzkasten befreit oder wie ein richtiger Handflächenstoß oder Faustschlag funktioniert. Aber dies sind alles Dinge, die einem erst dann nützen, wenn es eigentlich bereits zu spät ist. Nämlich dann, wenn einem nur noch das rein körperliche lösen einer Situation bleibt. Dann sind diese Befreiungstechniken wichtig.

Aber Selbstverteidigung ist mehr. Zur Selbstverteidigung gehört vor allem auch die richtige Einstellung. Das heißt. Bin ich mir, im Vorfeld, klar was es für mich bedeuten kann, wenn ich in eine Situation komme? Denn diese Einstellung wird mir helfen, wenn es zu einer Situation kommt, in der ich mich körperlich verteidigen muss, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Die richtige Einstellung hilft einem im richtigen Zeitpunkt zu handeln und nicht zu lange zu zögern.

Es ist auch nicht zu unterschätzen, dass die Bereitschaft alles zu geben ein wichtiger Faktor für den Erfolg ist. Die Bereitschaft 100% zu geben, wenn es darauf ankommt sollte im Kopf bereits geklärt sein bevor man in eine Situation der Selbstverteidigung kommt. Das richtige Mindset ist also von hoher Bedeutung.

Einen mindestens genauso genau so hohen Stellenwert sollte das vorzeitige erkennen von Gefahren haben. Also sollte es einem gelingen permanent aufmerksam mit seiner Umgebung zu sein. Ablenkung könnte zur verspäteten Wahrnehmung von Gefahren führen. Dies wiederum macht unter Umständen ein rechtzeitiges Handeln, Deeskalation oder Flucht unmöglich.

Worauf muss man bei einer Selbstverteidigung alles achten.
In der Selbstverteidigung kommt es auf viele Faktoren an.

Welches ist das beste System für die Selbstverteidigung?

Gibt es überhaupt DAS BESTE SYSTEM für die Selbstverteidigung? Es gibt sicherlich Systeme und Kampfkünste, die von ihrer Beschaffenheit besser geeignet sind als andere um sich im Notfall zu verteidigen. Man sollte aber nicht vergessen, dass in einer realen Situation immer Menschen gegen Menschen stehen und nicht Systeme gegen Systeme. Denn der Vergleich System gegen System findet meist nur in der Theorie und in den Köpfen statt. Auf der Straße, in der realen Selbstverteidigung ist das alles oft vergessen. Denn dann entscheidet nicht nur das System über seine Effektivität, sondern vor allem sein Anwender. Natürlich gibt es sie, die Systeme, die durch ihren Trainingsaufbau und ihre Herangehensweise an das Thema Selbstverteidigung vorteilhafter sind als andere. Aber…

(Anmerkung: Wenn ich im Folgenden von guten oder schlechten Systemen schreibe beziehe ich mich lediglich auf ihre theoretische Anwendbarkeit in einer realen Situation. Es ist keine Wertung über das System selbst oder seinen Wert für seinen Anwender!)

„Gutes System“ vs. schlechter Anwender

Es gibt einige Systeme, die sich speziell mit dem Thema der Selbstverteidigung beschäftigen. Zu ihnen gehören unter anderem WingTsun, KravMaga, Systema, StreetCombatives usw. Dadurch, dass in vielen dieser Systeme die Praxisnähe einen größeren Stellenwert besitzt als Tradition oder festgefahrene Techniken wie sie schon immer gemacht wurden ergeben sich Vorteile für die Selbstverteidigung.

Hinzu kommt, dass man sich mit realen Situationen wie sie auch auf der Straße stattfinden beschäftigt. Es wurden und werden Dinge weiterentwickelt. So fließen zum Beispiel Themen wie Vorkampf oder Methoden zur Deeskalation mit ein. Diese Themen fanden in vergangenen Zeiten oder bei der Entstehung der meisten Kampfkünste und Verteidigungssysteme noch keine Beachtung.

Doch egal wie gut eine Methode zur Selbstverteidigung in der Theorie auch erscheinen mag, in einer realen Situation liegt es am Anwender was er daraus macht. Da kann das beste System dem schlechtesten Anwender nur wenig nutzen.

Viele Faktoren können einen Einfluss auf den jeweiligen Anwender haben, wenn er gezwungen ist sich selbst zu schützen.

Trainingshäufigkeit: Wie oft und vor allem regelmäßig hat man trainiert und seine Fähigkeiten verbessert?

Trainingsintensität: Wie ernsthaft hat man trainiert als man beim Training war?

Stressanfälligkeit: Ist man in der Lage auch in aggressiven Situationen Ruhe zu bewahren und das gelernte Wissen anzuwenden oder zwingt einen sein eigener Körper mit seiner Reaktion in die Knie?

Einsatzbereitschaft: Ist man bereit im Notfall bereit alles zu tun, um sich selbst oder andere zu schützen? In der Selbstverteidigung sollte man bereit sein einhundert Prozent zu geben.

Glaube an eigene Fähigkeiten:  Vertraut man auf sich und seine gelernten Fähigkeiten?  

Deshalb sollte man nie vergessen in einer realen Situation stehen sich reale Personen gegenüber. Keine Theorien irgendwelcher Systeme.

„Schlechtes System“ vs. Guter Anwender

Auf der Straße begegnen sich keine Systeme, sondern echte Menschen. Darum denke ich es gibt nicht gute oder schlechte System für eine Selbstverteidigung. Entscheidend ist jeder einzelne, der in eine solche Situation gerät.

Eine vielleicht nicht so effektive Technik mit der nötigen Entschlossenheit und im richtigen Moment ausgeführt kann zum Erfolg führen. Die beste Technik halbherzig und unüberlegt eingesetzt kann einen in große Schwierigkeiten bringen.

Wir sollten nicht vergessen die meisten Angreifer haben nie irgendeine Kampfkunst oder einen Kampfsport gelernt. Der Grund weshalb sie aber oft erfolgreich sind ist ihr unbändiger Wille ihrem Gegenüber etwas anzutun.

Deshalb ist es für uns in der Selbstverteidigung wichtig endschlossen und besonnen zu handeln.

Sieg oder Niederlage – Kopf ist Trumpf

Wenn wir uns bereits Gedanken über eine Auseinandersetzung gemacht haben wird uns, dass helfen sobald wir uns darin wiederfinden. Die mentale Vorbereitung und das Verständnis darüber, dass wir in eine Situation kommen können ist wichtig. Und zwar aus einem ganz einfachen Grund. Wir sind vorbereitet.

Was bedeutet, wenn wir immer damit rechnen mit Gewalt konfrontiert oder aus anderen Gründen (z.B.: Autounfall) in Gefahr zu geraten sind wir weniger überrascht. In der Selbstverteidigung ist dieses Bewusstsein nicht zu unterschätzen. Denn dadurch ist im besten Fall die Adrenalinausschüttung nicht so groß. Das wiederum bedeutet eine geringere Beeinflussung unserer körperlichen Fähigkeiten und eine bessere Handlungsfähigkeit.

Wie bereits erwähnt ist es wichtig, dass unser Kopf in einer Situation der Selbstverteidigung das klare Ziel hat alles zu geben und wir bereit dazu sind. Und dabei ist ganz egal ob wir, wenn die Möglichkeit besteht, zu einhundert Prozent weglaufen oder uns zu einhundert Prozent verteidigen. Denn selbst, um wegzulaufen bedarf es Mut und die richtige Einschätzung der Lage.

Gefahren erkennen und einschätzen

Psychologie der Eigensicherung-Uwe Füllgrabe, Überleben ist kein Zufall
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Die richtige Einschätzung der Lage. Dies ist ein weiterer nicht zu unterschätzender Punkt. Es ist erforderlich nicht nur sich selbst sondern auch seine aktuelle Umgebung zu kennen. So gelingt es im besten Fall mögliche Gefahrenquellen bereits im Vorfeld zu erkennen. Uwe Füllgrabehschreibt in seinem Buch „Psychologie der Eigensicherung“ vom Gefahrenradar.

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